Unser Ansatz

Der Ansatz des CDSE basiert auf der Entwicklungstherapie und der Entwicklungsbildung ETEP sowie den Modellen AFI (Assessment for Intervention) bzw. NBA (needs based assessment, Bedarfsanalyse), wobei der Inklusionsgedanke, systemische Zusammenhänge sowie die Auswirkungen traumatischer Erlebnisse berücksichtigt werden. Im Übrigen berücksichtigen wir die Grundsätze der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Was versteht man unter ETEP?

ETEP steht für Entwicklungstherapie/Entwicklungspädagogik und ist:

  1. ein entwicklungspsychologisch orientiertes pädagogisches Förderprogramm für Kinder und Jugendliche mit sozio-emotionalem Förderbedarf;
  2. ein Programm, das allen Kindern und Jugendlichen dient und damit zur Prävention von Verhaltensproblemen beiträgt.

Der Fokus liegt dabei stets auf den Stärken und Ressourcen der Kinder und Jugendlichen. Nicht Defizite, sondern Potenziale stehen im Mittelpunkt.

Ausgearbeitet wurde ETEP in den 1970er Jahren von der US-amerikanischen Psychiaterin Mary Wood. In den 1990er Jahren adaptierte die deutsche Sonderpädagogin Marita Bergsson ETEP auf landesspezifische Rahmenbedingungen und arbeitete mit dem Programm an der von ihr geleiteten Jakob-Muth-Schule in Essen.

In Deutschland arbeiten mittlerweile eine große Anzahl von Grund-, Sekundar- und Förderschulen, aber auch sonstige pädagogische Einrichtungen mit ETEP, da Anfragen für sozio-emotionale Förderung auch an Regelschulen, zunehmen.

Die Effizienz von ETEP wurde in mehreren Studien nachgewiesen.

Wozu dient der ELDiB?

Der ELDiB (Entwicklungstherapeutischer/Entwicklungspädagogischer Lernzieldiagnosebogen) ist das im Rahmen von ETEP eingesetzte Diagnoseinstrument. Er ist die Grundlage einer prozessorientierten, nach Entwicklungsstufen, organisierten Förderplanung.

Der ELDiB ermöglicht es, anhand einer entwicklungslogisch aufgebauten Liste von Fähigkeiten, die ein Mensch zwischen 0-16 Jahren entwickelt, die aktuelle Lernausgangslage und das tatsächliche Entwicklungsalter eines Kindes oder Jugendlichen, das oftmals vom numerischen Alter abweicht, festzustellen. Dabei werden die Kompetenzen in den Bereichen Verhalten, Kommunikation, Sozialisation und Kognition ermittelt.

So wird der individuelle Entwicklungsbedarf bestimmt, und es können dazu passende differenzierte Förderziele festgelegt werden.

Das Fähigkeitsprofil wird anhand einer längeren Beobachtungsphase im Setting Schule durch ETEP geschultes Personal erstellt. Auch die im Rahmen eines intensiven Austauschs mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten, den LehrerInnen und weiteren BetreuerInnen des Kindes oder Jugendlichen gewonnenen Informationen, fließen in den diagnostischen Prozess mit ein. Um die jeweilige Sicht von Eltern und/oder pädagogischen Fachkräften auf den Entwicklungsstand des Kindes oder den Jugendlichen zu ermitteln, steht ein entsprechender ELDiB-Fragebogen zur Verfügung.

Der ELDiB ist ein Diagnoseinstrument mit partizipatorischem Charakter. Kinder und Jugendliche sollen zu aktiven GestalterInnen ihrer selbst, ihres Lebens und somit auch ihrer Bildungsprozesse werden. Auch sie können (ab einem gewissen Alter) einen sprachlich und formal angepassten ELDiB-Bogen ausfüllen, der eine wichtige Grundlage für das weitere Vorgehen darstellt.

Im Rahmen der ETEP-Förderung wird der Lernzuwachs durch eine regelmäßige Neubewertung anhand des ELDiB evaluiert. Ziel ist es, dem Kind oder Jugendlichen den Auf- und Ausbau seiner Fähigkeiten in einem entsprechenden Setting zu ermöglichen, so wie den Eltern / Erziehungsberechtigten und LehrerInnen Fortschritte aufzuzeigen.

In der Beratungsarbeit ermöglicht der ELDiB, den Blick auf die bereits vorhandenen Kompetenzen des Kindes oder Jugendlichen, auf seine Ressourcen und seine Fortschritte zu richten.

Entwicklungstherapeutische/Entwicklungspädagogische Leitlinien des ETEP

  1. Prinzip: Wir richten den Blick auf Stärken

Die Stärken werden in den Blick genommen und dadurch wird der Aufbau von Verhaltensweisen gefördert, die gleichzeitig erfolgreich und für das Entwicklungsalter typisch sind. Demnach ist das Förderprogramm nicht ausschließlich darauf ausgerichtet unangemessenes Verhalten zu reduzieren, sondern fokussiert das bereits vorhandene altersangemessene Verhalten. Durch eine systematisch positive Rückmeldung des erwünschten Verhaltens ist es dem Schüler / der Schülerin möglich, sich kompetent wahrzunehmen und nach und nach ein positives Selbstbild zu entwickeln.

  1. Prinzip: Wir folgen der Entwicklungslogik

Die sozio-emotionalen und verhaltensbezogenen Kompetenzen eines Kindes werden im Laufe seines Lebens durch verschiedene soziale Einflüsse aufeinander aufbauend erworben. Die Förderung von Verhaltenskompetenzen eines Schülers / einer Schülerin wird demnach schrittweise vorgenommen und individuell innerhalb der typischen Entwicklungsverläufe angepasst. Persönlichkeitswachstum kann wirkungsvoll unterstützt werden, da das Kind oder der/die Jugendliche auf seinem/ihrem jeweiligen Entwicklungsniveau gefördert wird.

  1. Prinzip: Wir gewährleisten Freude und Erfolg

Die Unterrichtsthemen knüpfen an vorhandene Stärken und Kenntnisse des Schülers /der Schülerin an, wecken das Interesse und die Neugier. Der Unterricht ist zudem auf die individuellen Förderziele abgestimmt, so dass es dem Schüler/ der Schülerin möglich ist, befriedigende und erfolgreiche Ergebnisse zu erleben. Auf Basis dieser Erfahrungen ist das Kind /der/die Jugendliche motiviert, neue Verhaltensweisen zu erlernen und alternative Verhaltensmöglichkeiten zu festigen.

  1. Prinzip: Wir sorgen für bedeutsame Erfahrungen

Lernen kann durch Erlebnisse stattfinden, die sowohl persönlich als auch gesellschaftlich bedeutsam sind. Die Inhalte, Aktivitäten und Materialien des Unterrichts, lassen sich auf die Lebenswelt des Kindes/Jugendlichen übertragen und sind derart ausgewählt, dass sich das Kind/der Jugendliche mit ihnen identifizieren kann und sich emotional von ihnen angesprochen fühlt.  Die im schulischen Setting erlernten Verhaltensfähigkeiten können auch im realen Lebensumfeld zu zufriedenstellenden Erfahrungen führen.

ETEP im Förderunterricht: EPU (Entwicklungspädagogischer Unterricht)

Entwicklungspädagogischer Unterricht (EPU) basiert auf Lernprozessen deren  Rahmenbedingungen, Unterrichtsaktivitäten und Interventionsstrategien auf die sozio-emotionale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet sind. Ein Team von zwei Lehrpersonen gestaltet den Unterricht und führt die ausgewählten Aktivitäten durch.

Der EPU ist hierbei an der (aus der ELDIB-Diagnostik gewonnenen) Entwicklungsstufe und den Lernzielen einzelner Kinder /Jugendlicher oder der Klasse ausgerichtet.

Beispiele für Lernziele können sein:

- „Ich zeige auf, wenn ich etwas sagen möchte.“

- „Ich teile mein Arbeitsmaterial.“ 

- „Ich beende meine Aufgabe allein.“ usw.

Die Struktur des EPU folgt den oben genannten grundlegenden entwicklungspädagogischen Leitprinzipien des ETEP (Folgen der Entwicklungslogik, Ressourcenorientierung, Vermittlung von Freude/Erfolg sowie Angebot von bedeutsamen Erfahrungen).

Die Lehrpersonen wählen Lerninhalte aus, die den Kindern/Jugendlichen Identifikationsmöglichkeiten bieten. Essentielle Elemente des EPU stellen Ritualisierung und Strukturierung des Unterrichts dar, so z.B.

- Strukturierung der Zeit (u.a. durch die Transparenz von Zeitabläufen in Form eines Tages- und Wochenplans oder einen systematischen Tätigkeitswechsel von z.B. kognitiven zu kreativen Aufgaben);

- Strukturierung des Raums (in verschiedene Themenbereiche).

Das Maß und die Art der Strukturierung werden der jeweiligen Entwicklungsstufe angepasst. Sie vermitteln dem Schüler/der Schülerin die nötige Sicherheit.

Verhaltenssteuernde Interventionsstrategien, wie z.B. Aufstellen von Regeln, Ermutigung, Spiegeln, Umlenken, Einsatz physischer Nähe usw., basieren auf einer annehmenden wertschätzenden Haltung und werden größtenteils aktiv im Vorfeld eingesetzt, damit der Schüler/die Schülerin das Verhalten an die Erwartungen des Umfeldes anpassen lernt.

Wie wird ETEP im CDSE umgesetzt?

Das ETEP-Programm ist eine pädagogische Leitlinie des CDSE. Das CDSE ist die einzige Einrichtung auf nationaler Ebene, in der die gesamte Belegschaft nach diesem Konzept arbeitet (u.a. LehrerInnen, PsychologInnen, PädagogInnen, SozialarbeiterInnen, SozialpädagogInnen). Somit ist auch eine nachhaltige, effiziente Kooperation und intensive Vernetzung aller im CDSE an der Förderung eines Kindes oder Jugendlichen beteiligten MitarbeiterInnen gewährleistet. 

Alle Fachkräfte des CDSE, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, absolvieren eine zertifizierte ETEP-Ausbildung. Durchgeführt wird diese Fortbildung von einem CDSE-eigenen TrainerInnenteam in Zusammenarbeit mit dem IFEN. Dieses interne Team wurde exklusiv vom Institut für Entwicklungstherapie/Entwicklungspädagogik e.V. (ETEP Europe) ausgebildet und zertifiziert.

In der Annexe Junglinster, der Annexe Izigerstee und den CST (Centres socio-thérapeutiques) wird das ETEP-Konzept insbesondere in dem auf Förderziele ausgerichteten entwicklungspädagogischen Unterricht EPU angewandt. Ein durchstrukturierter und ritualisierter Alltag in einem übersichtlichen Rahmen in den eben genannten Institutionen vermittelt den Kindern und Jugendlichen Sicherheit.

In den Zweigstellen des CDSE sorgen die Lehrkräfte dafür, dass die SchülerInnen ihre individuellen Ziele und Klassenziele erreichen können. Eine systematische positive Feedbackkultur unterstützt diesen Prozess, so dass Freude am Lernen entsteht, die sozio-emotionale Entwicklung der jungen Menschen gefördert und ihr Selbstbewusstsein gestärkt wird.

Was versteht man unter „AFI“ bzw. „NBA“?

Die fachspezifische Diagnostik des CDSE basiert auf den Modellen AFI (Assessment for Intervention) bzw. NBA (needs based assessment, Bedarfsanalyse), die seit 1997 in den Niederlanden angewandt und evaluiert werden und von der Europäischen Agentur für angepasste und integrative Bildung als «best practice» anerkannt wurden (Pameijer & Pijl, 2006). In den routinemässigen oder standardisierten Auswertungsbatterien werden mehr Daten gesammelt, als notwendig ist, um Antworten zu finden oder eine bestimmte Entscheidung zu treffen. In der Praxis erweist es sich als schwierig, diese Daten in die Bildungsbedürfnisse eines Schülers und die erforderlichen Unterrichtspraktiken umzusetzen. Angesichts des Leidensdrucks des/der betroffenen Schülers/-in, der Notlage des Schülers und seines Umfeldes, sowie der reduzierten Ressourcen, beschränkt sich die im Rahmen einer spezialisierten Diagnostik des CDSE gesammelten Informationen auf das unbedingt Notwendige, um geeignete Empfehlungen auszusprechen. Der Evaluierungsprozess wird somit zielorientierter, d. h. er zielt darauf ab, Empfehlungen zu erarbeiten, um auf die im ursprünglichen Umfeld festgestellten Probleme zu reagieren (oder diese abzuschwächen).

Was versteht man unter „ICF“?

Der Ansatz des CDSE berücksichtigt die Grundsätze der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgeschlagenen Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF). So betrachten wir eine festgestellte Behinderung nicht als Krankheit oder ein ausschliesslich individuelles Problem, sondern als eine Situation, die von verschiedenen Faktoren, einschliesslich körperlicher und sozialer Faktoren, beeinflusst wird. Ein und derselbe Entwicklungsrückstand, ein und dasselbe Problem wird auf sehr unterschiedliche Weise erlebt, je nachdem, wie die Gesellschaft es betrachtet und wie die Gesellschaft organisiert ist.

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oder wir schaffen einen." (Hannibal)

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